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Der König ist tot - Lang’ lebe der King!

Von Thomas Steierhoffer


Wenn die polnische Band

„Budka Suflera“ ihre

Allerheiligenlitanei der

Rockmusik und des Films anstimmt,

werden sie alle aufgerufen:

Jimi H., Romy S., Johny L., James

D., Janis J... Und natürlich Elvis P.

Anders war die Situation in der

DDR. Hier verteufelten Ulbricht,

Honecker & Co. die westliche,

zumal amerikanische Unterhaltungsindustrie,

als deren am

meisten dekadenten und imperialistischen

Kopf sie den Mann mit

dem animierenden Hüftschwung

ausgemacht zu haben glaubten.

Dennoch erschien später auf dem

staatseigenen Plattenlabel „Amiga“

eine LP mit Elvis-Hits. Wahrscheinlich

lasen die Moralapostel

der Partei in seinem Song „In the

ghetto“ den Aufruf zum Klassenkampf

im Mutterland des modernen

Kapitalismus. Und das war

ihnen mehr als recht.

Der King of Rock’n’Roll wurde

vor 75 Jahren, am 8. Januar 1935,

in Tupelo, im US-Bundesstaat Mississippi,

geboren. Elvis Presley

wuchs in ärmlichen Verhältnissen

auf, erlebte jedoch schon bald

seinen Karrieredurchbruch in

Memphis.

Als Zehnjähriger hatte sich Elvis

zum Geburtstag ein Fahrrad

gewünscht. Allerdings war das

Geld in der Familie knapp. Der

kleine Elvis entschied sich

schließlich für eine Klampfe als

Geburtstagsgeschenk. Wie das

gewesen sein mag? Der amerikanische

Spielfim „Forrest Gump“

mit Tom Hanks in der Titelrolle

liefert eine Vorstellung davon, was

der blutjunge Elvis mit seiner

ersten Gitarre so alles anstellte.

Erst in jüngster Zeit hat sich Tupelo,

die Kleinstadt im Nordosten

des US-Bundesstaates Mississippi,

darauf besonnen, ihren berühmtesten

Sohn als Besuchermagnet zu

nutzen. Sein 75. Geburtstag ist eine

willkommene Gelegenheit.

Im ärmlichen East Tupelo kam

Elvis zur Welt, hier besuchte er die

Schule bis er 13 war. Und so

ähnlich wie damals sieht die

Gegend bis heute aus: bescheidene

ein- und zweistöckige Häuser, viel

Grün, wenig los. Ein Plätzchen

allerdings hat sich zur wahren

Pilgerstätte entwickelt. Eingebettet

in einen weitläufigen Park öffnet

mor gens um neun das neu gestaltete

Museum inklusive Elvis-

Gedächtnis-Kapelle. Hier werden

die Jugend des Sängers und die

Einflüsse, die ihn zum Superstar

werden ließen, beleuchtet: die

Gospelmusik der Kirchen und der

Blues der Baumwollarbeiter.

Die Karriere des King startete in

den 50er-Jahren in Memphis, Tennessee.

Die erste Wohnung der

Presleys steht hier für Besichtigungen

offen. Für 270 Dollar kann

man sogar in Elvis’ Schlafzimmer

übernachten.

Elvis hatte bis zu seinem Tode rund

500 Millionen LPs und Singles

verkauft. Damit übertraf er jeden

anderen Musiker seiner Zeit. Seine

TV-Show „Aloha from Hawaii“,

die am 14. Januar 1973 per Satellit

weltweit übertragen wurde, sahen

mehr als eine Milliarde Menschen

live. Die Philippinen erreichten

dabei eine Einschaltquote von 91

Prozent! Nachdem Elvis von Sun

Records zur Plattenfirma RCA

gewechselt war, präsentierte er am

28. Januar 1956 seinen Hit „Heartbreack

Hotel“ in einer Fernsehshow.

„Er ließ seine weitgespreizten

Beine schlottern“, erinnert sich

sein Biograph Jerry Hopkins, „und

zuckte kaum merklich mit dem

rechten Knie.“ So etwas hatte das

amerikanische Publikum noch nie

zuvor gesehen. Der Song verkaufte

sich auf Anhieb eineinhalbmillionenmal.

Nachdem die Ehe mit

Priscilla Beaulieu gescheitert war,

wurde Elvis nach Einschätzung des

Zum 75. Geburtstag von

Elvis Presley

Von Thomas Steierhoffer

Magazins „Neewsweek“ zunehmend

„fett, eigenbrötlerisch und

paranoid“. Besonders seine weiblichen

Fans konnten den Verfall

ihres Helden nicht ertragen und

riefen ihm während grotesker Live-

Konzerte (u.a. in Las Vegas), die

allein auf seiner Präsenz und nicht

mehr auf musikalischem Gebiet

fußten, zu: „Elvis, warum bist du

so fett?“ Der exzessive Konsum

von Alkohol, Drogen und Medikamenten

forderte seinen Tribut.

Als Elvis am 16. August 1977 sterbend

in seinem Badezimmer in

Graceland gefunden wurde, war er

bereits aufgefahren in den Himmel

des Rock’n’Roll und des Entertainments.

Der King liegt im Garten

seiner Villa begraben.

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