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Grüss Gott, Herr Kardinal! Tun Sie was!

Zum heutigen Shabbat zitiere ich einen offenen Brief, den ich vor Jahren (2008) an den damiligen Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, geschrieben hatte. Er ist auch unter https://www.achgut.com/artikel/gruess_gott_herr_kardinal_tun_sie_was zu finden:


Thomas Steierhoffer, Chefredakteur der Zeitschrift “Panke-Spiegel”, hat einen Brief an den Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, geschrieben, um gegen einen Beitrag zu protestieren, der in der “Katholischen Sonntagszeitung für das Erzbistum Berlin” erschienen ist, die von Georg Kardinal Sterzinsky herausgegeben wird. Eine Antwort des Kardinals steht noch aus.

Sehr geehrter Herr Kardinal Sterzinsky, das berühmte Fass ist nun endgültig übergelaufen. Dirk Hermann Voß hatte in der jüngeren Vergangenheit schon häufig bewiesen, dass er am äußersten rechten Rand des deutschen Katholizismus irrlichtert. Nunmehr hat er sich definitiv darüber hinaus katapultiert und den Berliner Katholizismus gleich mitgenommen. In der neuesten Ausgabe der von ihm als Verleger verantworteten und von Ihnen herausgegebenen „Katholischen Sonntagszeitung für das Erzbistum Berlin” lässt Voß alle Reste seiner antisemitischen Masken fallen. Ich bitte Sie inständig, Herr Kardinal, lassen Sie Ihren Namen nicht weiterhin für diese Demagogie missbrauchen. Lassen Sie nicht weiterhin zu, dass Voß das Ansehen der Katholiken im Erzbistum Berlin besudelt. Der von ihm angerichtete Schaden ist nicht mehr reparabel! Jetzt muss es jedoch um Schadensbegrenzung gehen.

Vom „Blutrausch“ der israelischen Regierung sprechen? „Logik der Gewalt“? Die Situation in Gaza mit „Konzentrationslager“(n) vergleichen? Die Medien als Büttel der „israelischen Kriegspropaganda“ brandmarken? Israelis als die Verantwortlichen für die „jahrzehntelangen unerträglichen Lebensbedingungen der Palästinenser“ hinstellen? Die Hamas als „islamische Hamas“ bezeichnen, die aus „demokratischen Wahlen“ als „kampfbereite(n) Hamas“ hervorgegangen sei? Das „historische Duell zwischen David und Goliath“ bemühen? Was denn noch alles?

Hier sind Sie, sehr geehrter Herr Kardinal, aufgefordert, im Sinne der Wahrheit und im Sinne des christlich-jüdischen Dialogs mit unseren „älteren Brüdern“ (vgl. Johannes Paul II.) aktiv zu werden. Allein die Verniedlichung und das Hineinstellen der islamistischen Terrororganisation Hamas als „kampfbereite“ Truppe, die aus „demokratischen Wahlen“ aufgebrochen sei, darf aus meiner Sicht nicht hingenommen werden. Vielleicht können Sie als Theologe Herrn Voß auch erklären, welches Volk aus dem biblischen Duell zwischen David und Goliath siegreich hervorgegangen ist.

Wenngleich es mir schwer fällt, hier sein Leitkommentar (Sonntagszeitung Nr. 3 vom 17./18. Januar 2009), der nicht nur die Katholiken im Erzbistum Berlin, sondern bundesweit erreicht.

„Liebe Leserin, lieber Leser, wie in einem Blutrausch hat sich die israelische Regierung mit dem Krieg im Gaza-Streifen vollständig der Logik der Gewalt verschrieben. Israelisches Militär feuert auf palästinensische Frauen und Kinder, in einem Land, aus dem es für die Zivilbevölkerung keine Flucht gibt. Israelische Raketen machen selbst vor Hilfstransporten der UNO nicht halt, die mit Genehmigung der Regierung die Grenze zum Gaza-Streifen überqueren wollten, um ein Minimum an Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten sicherzustellen. Der vatikanische Kurienkardinal und Menschenrechtsbeauftragte des Heiligen Stuhls, Renato Raffaele Martino, hat der ohnmächtigen Empörung der Welt über die israelischen Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen, jetzt eine Stimme gegeben, als er in der vergangenen Woche die Lebensbedingungen dort mit einem Konzentrationslager verglich.


Die israelische Kriegspropaganda, die viele Medien tagelang unkritisch übernommen haben, versucht, die schweren Menschenrechtsverletzungen im Gaza-Streifen gebetsmühlenartig mit den Raketenangriffen der islamischen Hamas auf den Süden Israels zu rechtfertigen. Doch die moralische Unterstützung für Israel bröckelt. Hunderttausende haben am vergangenen Wochenende in europäischen Städten gegen die israelische Aggression in Gaza demonstriert. Die US-Regierung hat erstmals die ihre Enthaltung im UN-Sicherheitsrat eine israelkritische Resolution geduldet. Natürlich ist es wahr, dass die Hamas israelische Dörfer mit selbstgebauten Raketen beschießt.

Aber wer trägt die Verantwortung dafür, dass sich unter jahrzehntelangem unerträglichen Lebensbedingungen die Palästinenser radikalisiert haben und in demokratischen Wahlen der kampfbereiten Hamas den Vorzug gegenüber der zahnlosen Regierung des Palästinenser-Präsidenten Abbas gaben? Die Palästinenser, um ihre Heimat und ihr Lebensrecht gebracht, führen einen Verzweiflungskampf um ihre Zukunft. Wenn die übermächtige Militärmacht Israel noch länger die Gesetze der Menschlichkeit und der Verhältnismäßigkeit ihrer Selbstverteidigung missachtet, könnte dieser Kampf am Ende politisch für die Palästinenser wie das historische Duell zwischen David und Goliath ausgehen. Ihr Dr. Dirk Hermann Voß”

Ich wende mich in meiner Sorge und in meiner Ohnmacht direkt an Sie als den Herausgeber und Erzbischof von Berlin mit der dringenden Bitte, dem antisemitischen Treiben in Ihrer Publikation endgültig einen Riegel vorzuschieben. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie diese Art der Manipulation für gut und richtig erachten.

(...) als deutscher Journalist begreife ich es nicht nur im Jahr des 70. Gedenkens an die sogenannte „Reichskristallnacht“ als meine moralische Pflicht, diesen dunklen Anfängen zu wehren und mich mit aller Deutlichkeit davon abzuwenden. Dieser Brief geht als massive Distanzierung zu dem in Ihrer Zeitung abgedruckten Leitkommentar auch an den Zentralrat der Juden in Deutschland, an die Jüdische Gemeinde zu Berlin sowie an den Vatikan. Mit freundlichen Grüßen Thomas Steierhoffer Chefredakteur


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