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Pop aus der globalen Psychiatrie - David Lynch: Crazy Clowntime

Von Matthias Horwath


Beim Schlendern durch die

Dresdner Neustadt zog mich

wieder mal der Arm des Plattendealers

in seine Höhle hinein. Die

Versammlung der üblichen Verdächtigen

schlummerte verschiedenen

Formates als Stuff in den

Regalen. Hier fein die CDs. Da

für die unbelehrbaren Retroisten

die Schallplatten aus Vinyl. Einem

alten Herrn erschließen sich schnell

die Namen aus dem Mainstream.

Der Rest blinkt als unbekanntes,

teil vermintes Terrain herab: Vor

dem Plattenhändler sind alle gleich.

Da er nun daselbst mit seiner beeindruckenden

Nickelbrille in meine

Richtung über deren Ränder schaut,

werde ich ermutigt, doch mal zu

fragen, WAS da gerade für ein

dunkler Sound aus seiner Anlage

tropft… Aaah, David Lynch: ist

das nicht? Na klar, das ist doch

der ältere Herr aus Hollywood mit

so abgedrehten Filmen. Einer fährt

da mit `nem Rasenmäher durch

die Staaten! Wow! Und der…? Ja

der macht jetzt auch noch Musik!

Nein danke, dachte ich, nicht noch

ein Tim Robbins mehr, der als

Schauspieler fürchterliches Zeug

veröffentlicht! Aber, der Sound,

das sind ja glühende Wände, die

grooven über ein langsam verschleppendes

Schlagwerk dahin!

Die Voices, von Stimmen sollte

nicht gesprochen werden, werden

von Lynch über diverse Electronics

verfremdet. Es klingt alles so seltsam

poppig und doch kriecht der

Blues wie eine Schlange durch das

Album. Musikalische Welten von

Kraftwerk bis Lennon werden nicht

zitiert - sie sind eingewoben in ein

komplexes dunkles Verlies. Pop

aus der globalen Psychiatrie. Die

verstehbare Fetzten von Lyrics bleiben

ein Mysterium, wahrscheinlich

auch für Muttersprachler…

Die CD leiert wenig später PERMANENT

über den Laser meines

Autos. Beeindruckend der Sound,

wenn du fahrend im babylonischen

Parkhausturm eines Kaufmarktes

nach oben drehst. Das erscheint

als Psychedelic Drive mit dem einsamen

Sound von „Zwanzig

Zwölf“: Weghören geht nicht. Die

CD verlangt so ziemlich das Unverschämteste,

was in der Neuzeit

überhaupt noch verlangt werden

kann: Du musst zuhören!

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