„Trouble No More“ - Neuer Film zur christlichen Erweckungsphase von Bob Dylan

Von Matthias Horwath


Columbia Records und Legacy

Recordings, das Kataloglabel

von Sony Music

Entertainment, präsentierten 2017

Bob Dylan: Trouble No More –

The Bootleg Series Vol. 13 (1979

- 1981). Die aktuelle Folge der

hochgelobten Bob-Dylan-Bootlegserie

konzentriert sich auf eine

der umstrittensten und inspiriertesten

Phasen in Dylans Karriere.

Mit der Albumtrilogie Slow Train

Coming (1979), Saved (1980) und

Shot Of Love (1981) schuf Bob

Dylan um die Jahrzehntwende

1979/80 ein Werk, das sich mit

spirituellen Themen beschäftigte

und seine damalige Hinwendung

zum Christentum reflektierte. Die

Songs waren nicht weniger poetisch

und tief empfunden als alles

andere, was Dylan geschrieben

hat. Dennoch konnten Teile seiner

Anhängerschaft mit diesem Bekenntnis

und dem tiefen Glauben,

der sich in den Arbeiten offenbarte,

zunächst nur wenig anfangen (so

wie 1965 Dylans Konvertierung

zum elektrischen Rock’n’Roll die

Folkpuristen befremdet hatte).

Jetzt zeigte arte den dazu passenden

Film:

Der neue Bob-Dylan- Film, Trouble

No More, von Dylan letztlich

selbst initiiert, entwickelte für den

Empfänglichen einen tiefen Nachklang.

Man möchte die biblisch

inspiriertenTexte des Films, der

auf lang unentdeckte Konzertaufnamen

um 1979 herum aufbaut,

gerade heute den großen und kleinen

5.0 - Lügnern des neuen Jahhunderts

ins Gesicht schleudern

und sie herausschreien wie einst

Klaus Kinski. Aber so blieben sie

weiterhin verraucht und ungehört.

Zuviel Wahrheit den Menschen

in aggressiver Manier entgegen

geworfen, liesse nur den Verdacht

fanatischer Selbstgerechtigkeit

aufkeimen und entlarvte, wie so

oft schon, den Prediger selbst

als Heuchler. Vielleicht nicht so

im eher sanften Film Bob Dylans.

In einer, wenn man so will, Gott

gefälligen Art und Weise, vereint

durch Musik und Text, bleibt uns

der not-wendige, freie Raum zur

Entscheidung des langsamen, unaufgeregten

Aufnehmens einer

Kernbotschaft, die da etwa lautet:

siehst du den Dorn im Auge des

Anderen, so gedenke erst des Balkens

im eigenen. Aus dem Munde

Dylans erscheint diese Message

insofern authentisch, da der jüdisch

sozialisierte Prediger das der Welt

nur aus sich heraus mitteilt. Etwas,

was viele den Kirchen schon lang

nicht mehr abkaufen wollen. Freilich

gibt's die Message auch hier

schlussendlich auch nur für's Geld.

Geld von dem sich der Prediger

ernähren muss. Aber das läge in

der Natur der Sache und stünde

keinesfalls automatisch entgegen

der Bergpredigt des Juden Jesus

von Nazareth. Sollten sich vielleicht

Zweifel zum Film einstellen,

so sei, neben den zwei Hauptpersonen

des Films, die Hingabe der

grandiosen Band, aber insbesondere

die leidenschaftliche Hingabe

der wunderschönen Gospelsängerinnen

ans Herz gelegt. Ohne

sie hätte Meister Bob Dylan wohl

damals schon ganz schön alt ausgesehen...

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